Paradisos 2022 - Zukunftsstadt

«Was entsteht denn da?» - Diese Frage haben sich wahrscheinlich viele Personen gestellt, welche sich in der Woche vor Pfingsten zum gemütlichen Spaziergang durch das durch alte Aare und Kanal begrenzte «Inseli» begaben. Baumstämme wurden aufgerichtet, Unmengen an Militärblachen miteinander verknüpft und meterlange Schläuche und Kabel verlegt. Auf dem sonst kargen Land entsteht eine Zeltstadt!

 

Nach 11 Jahren beginnt am Samstag vor Pfingsten das Paradisos! Es treffen sich Jublascharen aus dem ganzen Kanton Solothurn (und sogar aus benachbarten Kantonen), um dieses verlängerte Pfingstwochenende gemeinsam zu verbringen.

 

So traf sich am Samstagmorgen ein beschauliches Grüppchen der Jubla-Minischar – es wird berichtet, dass im nahegelegenen Niedergösgen Aliens gelandet seien! Um diesen obskuren Begebenheiten auf den Grund zu gehen, schnallten wir uns den Rucksack auf den Rücken, nahmen die Beine unter die Arme und marschierten in Südrichtung los. Der eine oder andere Schuh drückte, die Sonne brannte, doch wir hatten das Ziel vor Augen! Um uns vor der drohenden Gefahr zu schützen, schmiedeten wir auf unserem Fussmarsch Karton-Schwerter.

Und so trafen wir am Ort des Geschehens ein. Inmitten des Platzes erschienen uns drei interessante Gestalten, welche in fremden Zungen sprachen. Leider konnte niemand verstehen, was sie von uns wollten und wieso sie hier sind. So galt es als erstes, ein Wörterbuch zu erstellen, welches uns bei der Kommunikation mit diesen Kreaturen helfen sollte.

Wir verbrachten den Nachmittag an verschiedensten Posten: es wurden Brillenbändeli aus Perlen gebastelt, wilde Sirup-Kombinationen getrunken oder T-Shirts bedruckt. Währenddessen konnten wir Stück für Stück unser Nachschlagewerk ergänzen. So war es uns dann tatsächlich möglich in Erfahrung zu bringen, wie es die drei Fremden in unsere Gefilde geschafft hatten. Es stellte sich heraus, dass es sich gar nicht um Ausserirdische, sondern um Zeitreisende aus dem Jahr 2222 handelte! Und sie hatten düsteres zu berichten: die Erde sei nicht mehr, was sie einmal war. Sie erzählten von einer dystopischen Welt, in welcher es keinen Schnee mehr gibt und eine Dürre auf die nächste folgt. Wir mussten etwas unternehmen!

Nach einer abendlichen kulinarischen Stärkung genossen wir die Abendsonne und widmeten uns der körperlichen Tugend. Es wurde viel Sport betrieben, sei es Fuss- oder Volleyball, aber auch das eine oder andere Kampf- und Raufspiel wurde gespielt.

 

So neigte sich der Tag dem Ende zu und wir begaben uns in die vom Leitungsteam professionell errichteten Schlafzelte. Die teils fehlenden Zeltkomponenten gepaart mit der fehlenden Zeltbauerfahrung führten dazu, dass die Baldachine teils eher einem Kunstprojekt als einer Schlafgelegenheit ähnelten. In der Nacht folgte dann der grosse Regen: Blitze durchzogen den Himmel, der Donner grollte, der Regen prasselte ungehemmt auf die Zeltkonstruktionen. Doch zum Erstaunen aller Anwesenden perlte der Regen sogar an den Zelten, bei denen das Aussenzelt verkehrt herum montiert wurde, wie an einer Lotusblüte ab. Der noch sehr trockene Boden schluckte die grossen Wassermengen und alle die, welche ihre Schuhe über Nacht in das Innere der Zelte platzierten, konnten trockenen Fusses zum Frühstück gehen.

Die Zeitreisenden erzählten uns weiter von ihrer Zeit und zeigten uns, wie wir dafür sorgen können, dass die Zukunft doch noch etwas besser werden kann. «Recycelt eure Fahrräder! Trennet euren Restmüll!». Geprägt von diesen Worten galt es nun für uns, uns dem umweltverträglichen Anbau von Lebensmitteln zu widmen. Die Rohstoffe und das Wissen dafür konnten bei einem Geländespiel erlangt werden. Die einzelnen Scharen lösten verschiedene Aufgaben und konnten so gemeinsam der Aufgabe gerecht werden.

Nach dem geschmacklich hochstehenden Mittagsmahl, welches unter der Regie von Küchenchef Fabian «Gordon Ramsay» Soland und Sous-Chef Thomas «Bocuse» Bucher von vielen fleissigen Helfenden zubereitet wurde, verbrachten wir den Nachmittag wiederum an den verschiedenen Ateliers. An dem von Regengüssen durchzogenen Tag liefen die Reissverschlüsse der Regenjacken beim dauernden An- und Ausziehen langsam heiss – der Grat zwischen Sonnenbrand und tropfender Nässe war doch recht schmal.

Zu späterer Stunde folgte dann ein weiteres Highlight: in der Mehrzweckhalle fanden sich alle zu zwei grossen Konzerten ein! Die Ouvertüre machte der Solothurner Sprechsänger Pato: zu rhythmischen Trap-Beats und knallenden Bässen gab er der tobenden Meute seine Bars preis. Vor seinem bis dato grössten Publikum haute der Rapper aus der schönsten Barockstadt der Schweiz der tobenden Menge Hit um Hit um die Ohren.

Als zweites betraten «Les Touristes» die Bühne: die energischen Party-Rocker vom Rheinknie zeigten den rund 800 Jublaner*innen eine schwungvolle Show. Musik zum Mitsingen, Mittanzen, Mitklatschen. Dass die Zeit doch schon etwas fortgeschritten war, zeigte sich jedoch sehr schnell: schweisstropfende Moshpits und seelenruhig schlafende Jungspunde trennten zu bestimmten Zeiten nur wenige Meter.

 

Die Erschöpfung zeigte sich dann auch am nächsten Morgen: das von einigen Kids selbst gestaltete Programm ausserhalb der Zelte mit ungeduldigem Warten auf das Frühstück begann am Pfingstmontag nicht wie am Tag zuvor bereits um 05:00 Uhr, und auch die Leitenden fanden so erholsamen Schlaf bis um halb acht.

So begann auch schon der letzte Tag auf dem Inseli: am Morgen durften noch einmal die Ateliers besucht werden, welche man vielleicht noch nicht erlebt hat. Am Nachmittag massen sich die einzelnen Scharen dann noch einmal bei einem Spielturnier. Klassiker wie Kochlöffel-Unihockey, Paar-Fussball und höchstwahrscheinlich auch Blachen-Volleyball durften gespielt werden.

 

Zum Schluss bündelten wir noch einmal alle unsere Energie: mit einem fetzigen Tanz generierten wird genug Energie, um die Zeitreisenden zurück in ihre Zeit zu bringen. Unter dem wachenden Auge des DeLoreans und hinter dem Stargate verschwanden die drei Gestalten in einer dichten blauen Rauchwolke.

Dass wir solch wundervolle Tage verbringen und alle wieder gesund nach Hause gelangen durften, ist kein Zufall: wir danken dem mit Stüsslinger*innen gut bestückten OK und allen Helfenden herzlichst für ihre Arbeit. Ein Dank gilt auch allen Leitenden, allen voran Pascal Soland, welcher unsere Schar würdig vertrat. Auch gehört euch Eltern ein weiteres Mal für euer Vertrauen in uns gedankt – es ist keine Selbstverständlichkeit. Und das grösste Danke gehört natürlich allen Kids, welche die drei Tage auf dem Inseli zu einem unvergesslichen Fest machten.